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25 Jahre HAK. Der Tradition verbunden - dem Neuen aufgeschlossen.
Vorwort Ich
nehme mit Dank auf,
Im Jahre 2004 konnte der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung (HAK) stolz auf ein Vierteljahrhundert Vereinsgeschichte zurückblicken. Begründet und geprägt von Männern und Frauen, die sich bewusst waren, dass „nur der die Gegenwart verstehen und die Zukunft meistern kann, der die Vergangenheit kennt“ – wie es in einem bekannten Sprichwort heißt -, avancierte er zum zweitgrößten Verein Kemnaths, der das kulturelle Leben unserer Stadt nachhaltig prägt und selbst zu einem Stück Kemnather Zeitgeschichte geworden ist. Hiervon berichtet diese kleine Schrift. Kemnath, im Oktober
2004
Die Gründung des HAK 1979 Die Anfänge unseres Vereines reichen bis in das Jahr 1978 zurück. Damals hatten sich German Weber aus Kemnath und Günther Zwick aus Kulmain – auf eigene Kosten – in die Schweiz und nach Frankreich begeben, um Informationen über den Lebensweg des Kulmainer Komponisten Martin Vogt zu sammeln. Als Herbert Fischer, Steuerberater aus Kemnath, hiervon erfuhr, regte er an, einen Förderverein aufzubauen, der künftig die Erforschung der Orts- und Regionalgeschichte sowie die Pflege heimatlicher Denkmale und Kulturgüter unterstützen sollte. Die „Gründerväter“ wandten sich zu Beginn des Jahres 1979 in einem Aufruf zur Mitarbeit an die Bevölkerung. Nach mehreren Vorbesprechungen im kleinen Kreis kam es am 23. März 1979 zur Gründung des „Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises Kemnath und Umgebung“. Mit 18 Personen aus der Stadt Kemnath und ihrem Umland, die sich in die Anwesenheitsliste der Gründungsversammlung im Gasthof Kormann eintrugen, begann der Verein, der heute mehr als 500 Mitglieder zählt. Der rührige Kreisheimatpfleger Franz Busl hob den „Arbeits- und Förderkreis“ mit aus der Taufe. Als Erster Vorsitzender wurde Herbert Fischer gewählt, der zwei Jahrzehnte lang bis 1999 den Verein leiten sollte. Das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden nahm bis 2001 der Lehrer Gerhard Schultes aus Kemnath wahr. Als Schriftführer wählte die Versammlung German Weber, als Kassier Walter Koch. Der Verein hat den
Zweck, die natürliche und die geschichtlich gewordene Eigenart unserer
Heimat in Zusammenarbeit mit den Behörden und den auf diesem Gebiete
tätigen Vereinen zu schützen und zu pflegen. Seine Aufgaben erfüllt
der Verein durch Vorträge, Sammlung, Auswertung und Veröffentlichung
von Material aus den verschiedenen Gebieten der Heimat- und Volkskunde.
Konsolidierung und erste Aktivitäten Seinem Anspruch, in erster Linie ein „Arbeits“-Kreis im Dienste der regionalen Geschichte und Kultur sein zu wollen, wurde der Verein von Anfang an gerecht. Bereits im November 1979 trat der HAK mit einer Photo- und Bilderausstellung „Unsere Heimat in der Vergangenheit“ an die Öffentlichkeit. Die vom Verein zusammengetragenen historischen Photographien und die Gemälde und Zeichnungen des Altkemnather Künstlers Gottlieb Scharff mit Motiven aus dem ganzen Kemnather Land lockten fast 3.000 Besucher an. So rückte der HAK schon bald nach seiner Gründung in das Bewusstsein der Öffentlichkeit, die das Engagement der Geschichts- und Kulturfreunde zu würdigen wusste: Die Stadt Kemnath übernahm großzügig die durch die Ausstellung entstandenen Kosten, und der Verein verzeichnete fortan einen beachtlichen und kontinuierlichen Mitgliederzustrom. 1983 wurde die 100-Mitglieder-Marke überschritten, 1986 zählte man bereits über 200, 1990 über 400 Vereinsangehörige, und 1995 durchbrach der HAK die „Schallmauer“ von 500 Mitgliedern. Dass unter den Vereinsangehörigen traditionell viele „Honoratioren“ unserer Stadt zu finden sind, weiß der HAK mit Dankbarkeit und Stolz zu vermerken. Eine vom HAK veranstaltete Spendenaktion für die Restaurierung der sogenannten Dreifaltigkeitssäule (sie steht nun an der Wunsiedler Straße) fand allgemein Anklang. Der verstorbene Ehrenbürger der Stadt, Dr. Anton Reger, erwies sich mehr und mehr als der Mentor des neuen Vereins. Für das von ihm verfasste, 1981 erschienene Grundlagenwerk zur Stadtgeschichte stellte der HAK Bildmaterial zu Verfügung. Gleichfalls im Jahre 1981 würdigte der Verein den Kulmainer Komponisten Martin Vogt und richtete einen Festakt aus. Unter Beteiligung
von Dr. Reger erstellte der HAK 1981 erstmals die Jahresschrift „Kemnather
Heimatbote“. Als Redakteur zeichnete bis 1991 Ernst Hermann; seither betreut
Robert Schön das regionalgeschichtliche Jahrbuch, dessen „raison d’être“
– laut Ernst Hermanns Vorwort zum ersten Band von 1981 – ganz im Sinne
der programmatischen Ziele des HAK darin besteht, in einer Mischung von
Geschichte und Geschichten Vergangenheit und Gegenwart unserer Heimat [zu]
beschreiben [...]. Der Heimatbote möchte Erinnerungen bewahren, Bekanntes
bewußt machen und Unbekanntes neu beleben und somit das Gefühl
für die zeitlichen und örtlichen Zusammenhänge unseres Wohnraumes
erhellen.
Zu den Feierlichkeiten der Stadt anno 1983 anlässlich des 975. Jahrestages der mutmaßlichen ersten urkundlichen Erwähnung Kemnaths wurde Ernst Hermann auch mit der Erstellung einer Festschrift beauftragt. Durch diese Veröffentlichungen, aber auch durch Vorträge, Hutza-Abende, Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen konnte der Verein viele Bürger ansprechen und seine Mitgliederzahl erheblich steigern. Engagement und Idealismus
führten bald zu Verwirklichung weiterer Ziele der Vereinssatzung.
1981 kam es zur Gründung einer Volkstanzgruppe für Jugendliche
und Kinder unter der Leitung von Rosemarie Hermann und Monika Fink. Die
in farbenfroher Tracht auftretende Gruppe begeisterte über einundzwanzig
Jahre hinweg das Publikum und trieb weit über das Kemnather Land hinaus
gute Öffentlichkeitsarbeit für den HAK und unsere Region. Die
Bevölkerung Kemnaths und seines Umlandes gewann eine sehr positive
Einstellung zu dem neuen Verein und seinen Zielen.
Die Einrichtung des Heimatmuseums 1982 regte der HAK an, Räume in der Alten Fronveste, die sich in Renovierung befand, museal zu nutzen. Eine Arbeitsgruppe „Museum“ wurde gegründet. Der Gedanke war nicht neu, denn schon in den 1960er Jahren hatte der damalige Stadtoberamtsrat Hans Vitzthum vorgeschlagen, in dem in städtischem Eigentum stehenden früheren Gefängnis ein Museum einzurichten. Das 1749/50 erbaute Haus, das zu den wenigen noch nahezu originalgetreu erhaltenen Bauwerken aus der Zeit vor dem großen Stadtbrand von 1848 gehört, hätte sich geradezu ideal als Domizil für ein stadtgeschichtliches Museum angeboten. Die Gelegenheit für eine entsprechende Initiative war nun günstig, denn angesichts des bevorstehenden Jubiläumsjahres 1983, in dem die Stadt Kemnath ihre 975-Jahr-Feier begehen wollte, konnte der HAK darauf vertrauen, mit seinem Anliegen bei den lokalen Behörden offene Ohren zu finden. Der Vorstoß des Vereins war denn auch von Erfolg gekrönt. In der von ihr mustergültig renovierten Fronveste stellte die Stadt 1982 zunächst die Zimmer des Erdgeschosses, später auch weitere Räume für ein Heimatmuseum zur Verfügung. Die Anfänge des Museums gestalteten sich außerordentlich schwierig. Es fehlte nicht an Idealismus, es fehlten die Exponate! Mit Bildern des Kemnather Künstlers Gottlieb Scharff, Dokumenten aus dem Stadtarchiv und Ausstellungsstücken für eine „Bauernstube“ begann man. Eine Leihgabe des Armeemuseums Ingolstadt, ein in Fortschau hergestelltes Vorderladergewehr, wurde schließlich zu einer Urzelle des heutigen Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums. Man wollte die Arbeiten des ehemaligen kurfürstlichen „Armaturwerkes“ Fortschau würdigen. Die 1689 gegründete Waffenmanufaktur war die erste bayerische „Gewehrfabrik“, wo bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Handfeuerwaffen der Bayerischen Armee hergestellt wurden. Rund 200.000 Vorderlader sollen hier und in den ausgelagerten Zulieferungsbetrieben gefertigt worden sein. 1801 wurde in Amberg eine neue staatliche Waffenfabrik in Betrieb genommen, die Heereswaffenproduktion 1814 endgültig aus dem Kemnather Land fortverlagert, und das Büchsenmacherhandwerk im Kemnather Land starb im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollends aus. Bis Anfang der 1980er Jahre war diese Episode der Regionalgeschichte nahezu in Vergessenheit geraten. 1981 konnte der Metzgermeister und passionierte Waffensammler Josef Leypold dann erstmals wieder eine Fortschauer Waffe nach Kemnath zurückholen; er machte sich fortan die Erforschung der Geschichte des „Armaturwerkes“ zu seinem besonderen Anliegen. Am 20. Mai 1984, drei Wochen nach der Einweihung der renovierten Fronveste, wurde mit einem „Stadtmauerfest“ das „Kleine Heimatmuseum“ eröffnet, das nun schon seit zwanzig Jahren von Mitgliedern des HAK betreut wird. Von 1984 bis 2001 leitete Gerhard Schultes das stadtgeschichtliche Schatzkästchen. Besondere Verdienste um das Museum erwarben sich im Laufe der Zeit der Waffenkenner Josef Leypold – Museumsleiter seit 2001 – und der Regierungsbeamte und Hobbyarchäologe Hans Bäte. Sie bildeten besondere Arbeitsgruppen im HAK – die AG „Armaturwerk Fortschau“ und „Vor- und Frühgeschichte“ – und bauten die beiden vorbildlichen Schwerpunktsammlungen auf, die dem nunmehrigen „Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum“ die Anerkennung als förderungswürdiges „Spezialmuseum“ im Landkreis Tirschenreuth durch den Bezirk Oberpfalz sicherten. Es sind dies die vor- und frühgeschichtliche Ausstellung mit Fossilien und Zeugnissen einer mindestens 50.000-jährigen menschlichen Besiedelung des Kemnather Landes, und die wehrkundliche Sammlung, die überwiegend an Hand seltener und wertvoller Fortschauer Gewehre und Pistolen die Entwicklung frühneuzeitlicher Waffentechnik veranschaulicht. Der Heimatgeschichte widmet der HAK zudem regelmäßig Sonderausstellungen zu vielfältigen Themen. 1996 zog in den Wehrturm der äußeren Stadtmauer hinter der Fronveste die einstige Schmiedewerkstatt des „Schmied-Wolf“ vom Cammerloherplatz ein. Nach dem Tod des letzten Schmiedemeisters übergab die Erbin des Anwesens die komplette Einrichtung als Schenkung an den HAK, der auf diese unschätzbare Bereicherung des Museums sehr stolz ist. Quasi als „Außenstellen“ des Museums betreut der HAK seit 1991 die im Zuge der Flurbereinigung restaurierten Felsenkeller an der Kulmainer Straße sowie seit 2000 die vom Kemnather Fleischwaren-Fabrikanten Max Ponnath renovierten alten Fleischbänke am Cammerloherplatz. Seit 2003 erhalten die Abteilungen des Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums auf der Grundlage professioneller, museumspädagogisch durchdachter Konzepte Zug um Zug ein neues Gesicht. Zu einem festen Bestandteil
des Kemnather Kulturkalenders ist das Museumsfest geworden. Seit 1999 lädt
der HAK alljährlich im August zu einem bunten Fest rund um die Fronveste
ein. „Jäger und Sammler“ kommen hier beim Flohmarkt „Kunst und Krempel“
auf ihre Kosten. Hunderte von Besuchern aus allen Generationen widerlegen
jedes Jahr auf’s Neue die wohlfeilen „zeitgeistlichen“ Klischees und bezeugen:
Museen sind weder Horte der Langeweile noch das Privatvergnügen einer
Hand voll verschrobener „ewiggestriger“ Spinner.
Für jeden etwas: Die Arbeitsgruppen – und was der HAK sonst noch so alles „treibt“ Je nach Interesse arbeiten die Mitglieder im HAK in einzelnen Arbeitsgruppen mit. Auf die Arbeitsgruppen, die das Museum betreuen, wurde im vorigen Abschnitt bereits hingewiesen. Doch reicht das Spektrum der Vereinsaktivitäten natürlich weit über die Museumsarbeit hinaus. Mit der Ausgabe 2003 konnten der Schriftleiter des „Kemnather Heimatboten“, Amtsrat und Kreisheimatpfleger Robert Schön, und die Autorengruppe den 23. Band der Jahresschrift vorstellen. Oberamtsrat a. D. Hans Vitzthum leitet das Stadtarchiv, das im ersten Stock der Fronveste sein Domizil gefunden hat. Die Schätze des Archives werden von Herrn Vitzthum gemeinsam mit der 1990 gegründeten Arbeitsgruppe „Archiv“ mit viel Sachkunde und Liebe vorbildlich erschlossen. Die Archivgruppe hat unter anderem ein historisches Häuserbuch für die Kemnather Altstadt (erschienen 2002) und ein Begleitbüchlein für Stadtführungen (erschienen 1998) bearbeitet und herausgebracht. Ihre jüngste „Großtat“ ist die Ordnung, Sichtung und Erschließung des reichhaltigen Nachlasses des Heimatgeschichtsforschers Josef Scheidler. Ab 1993 ging eine besondere Arbeitsgruppe des HAK daran, einen achtzehn Kilometer langen „Geologischen Lehrpfad“ durch das Gebiet zwischen Kemnath, Armesberg und Waldeck einzurichten. Peter Hausbeck und Dr. Josef Heindl erarbeiteten eine erklärende Begleitschrift (erschienen 1997). Neben dem Museum und dem Heimatboten gehört der 1997 eröffnete, von dem Forstbeamten Hans Rösch und seiner Mannschaft des „Lehrpfad“-Arbeitskreises betreute Lehrpfad zu den bekanntesten und öffentlichkeitswirksamsten Projekten unseres Vereines. Bereits die zehnte Kunstausstellung mit Werken von Künstlern aus dem Kemnather Land organisiert heuer die Kunstgruppe, deren Ansprechpartner Susanne Vonhoff und Rainer Sollfrank sind. Beide haben auch die „corporate identity“ der Stadt, des Museums und unseres Vereines nachhaltig geprägt. So stammt das aktuelle Kemnather Stadtlogo, wie auch schon sein Vorgänger, von Susanne Vonhoff. Für das Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum wiederum werben die von Rainer Sollfrank entworfenen Plakate. In unzähligen Photographien, aber auch in Zeichnungen hat Herr Sollfrank unsere Heimatregion verewigt; seine Bilder finden sich in zahlreichen Publikationen. Die Stadtführergruppe betreut seit 2003 die Gäste unserer Stadt und bietet auch Museumsführungen nach Vereinbarung an. Großen Zuspruches erfreut sich der 1999 gegründete „Singkreis“ unter Leitung von Monika Fink, der sich in Gasthäusern zusammenfindet, um – mitunter mit mehr als 100 Teilnehmern – das traditionelle Wirtshaussingen zu pflegen. Frau Fink leitete bis 2002 auch die bereits erwähnte Volkstanzgruppe, musste allerdings aus persönlichen Gründen diese Aufgabe niederlegen. Wenn es auch leider bisher nicht gelungen ist, eine(n) Nachfolger(in) zu finden, so ist der Verein doch zuversichtlich, sein beliebtes Volkstanz-Ensemble in nicht allzu ferner Zukunft wiederbeleben zu können. Viel Anklang bei den jungen Kemnathern fanden in den letzten beiden Jahren die sommerlichen „Stadtrallyes“ mit attraktiven Preisen. Dass der der Tradition verbundene Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis auch dem Neuen aufgeschlossen ist, beweist sein Auftritt im Internet. Als einer der ersten Vereine Kemnaths richtete der HAK 1997 eine eigene Website ein, auf der das Museum, die Arbeitsgruppen des Vereins, die Veranstaltungen und die Stadt Kemnath vorgestellt werden. Mit alledem ist die
Aufzählung der Vereinsaktivitäten selbstverständlich noch
nicht beendet. Die Anbringung erläuternder Schilder an historischen
Gebäuden Kemnaths (1985; 2004 erneuert) geht ebenso auf die Initiative
des HAK zurück wie der „historische“ Briefkasten am oberen Stadttor
(1991 angebracht). Einen besonderen Akzent im regionalen Festkalender setzte
der HAK in den Jahren 2000, 2002 und 2004 mit seinen „Tauschbörsen
rund um’s Bier“. Alljährlich werden Studienfahrten zu Zielen in ganz
Bayern und Deutschland angeboten. Müßig zu sagen, dass der HAK
auch bei den traditionellen Kemnather Festivitäten – Bürgerfest,
Wiesenfest – sowie bei den Gewerbeschauen präsent ist.
Kulmain.
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Heimatkundlicher Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung e.
V. 2006.
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