Diese Bezeichnung
ist wahrscheinlich auf die Existenz einer Herberge für Kaufleute, die auf
den sich nahebei kreuzenden Handelsstraßen unterwegs waren, sowie eines Herrschaftssitzes
zurückzuführen
("Kemenate" = beheizbarer Raum, wie man ihn zu jener Zeit in einer "Burg",
d. h. einem befestigten Herrschaftssitz, oder einer Herberge vorfand). Etwa auf halbem
Wege zwischen dem Kemnather Friedhof und Berndorf erinnert bis heute das
Flurstück "Altenkemnath" an dieses wüst gefallene "erste Kemnath".
Das
Wappen des früheren Landkreises Kemnath
Als erste Erwähnung
Kemnaths gilt eine vom 6. Juli 1008 datierte Urkunde, in der Kaiser Heinrich
II. die Übergabe eines Ortes "Keminata" an das kurz zuvor (1007) gegründete
Bistum Bamberg bestätigte. Allerdings ist nicht zweifelsfrei zu klären,
ob es sich hierbei um unser Kemnath handelt, oder ob nicht vielmehr der
Ort Kemmathen bei Gräfenberg in der Fränkischen Schweiz gemeint
sein könnte. Verwaltet wurde das heutige Kemnather Land von der etwa
fünf Kilometer östlich Kemnaths gelegenen Sicher ist indes,
dass die Landgrafen von Leuchtenberg die Herrschaft Waldeck 1283 an den
baierischen Herzog Ludwig den Strengen aus dem Geschlechte der Wittelsbacher
verkauften. Damit holte das baierische Wittelsbacherherzogtum gleichsam
sein "Mutterland" heim, denn auf der Burg Waldeck war um 1100 Helika von
Kastl, die Mutter Ottos I. (des ersten Herzogs von Baiern aus dem Geschlechte
der Wittelsbacher), geboren worden. Zwischen 1354 und 1375 dürfte
der wohl nach 1250 von den Leuchtenbergern an seinem heutigen Platz neu
gegründete, 1329 der pfälzischen Linie der Wittelsbacher
zugeteilte Markt Kemnath zur Stadt erhoben worden sein; kurz darauf erhielt
Waldeck die Marktrechte, wobei die förmliche Erhebung zum Markt 1497 erfolgte. Der alte Ort Kemnath wurde wohl noch im
dreizehnten Jahrhundert abgesiedelt, als letztes der leerstehenden Gebäude
wurde die alte Kirche 1556 abgerissen.
Kemnath im 17. Jahrhundert,
Im Mittelalter war Kemnath eine wohlhabende Stadt. Wichtigste Quelle des Reichtums waren die Kaufleute, die auf den durch Kemnath führenden Handelsstraßen Station machten. 1572 wurde Kemnath durch eine Feuersbrunst zerstört. Nach 1623 kam die oberpfälzische Herrschaft Waldeck mit Kemnath unter die Hoheit der baierischen (Münchener) Linie der Wittelsbacher. Die nun einsetzende katholische "Gegenreformation" führte zum dritten Wechsel des religiösen Bekenntnisses innerhalb von weniger als einhundert Jahren - nachdem sich die Kemnather Bürgerschaft 1547 für das "Luthertum" entschieden hatte und 1583 unter obrigkeitlichem Druck zum nüchternen und sittenstrengen "Calvinismus" hatte konvertieren müssen. Der "Dreißigjährige Krieg" verschonte auch das Kemnather Land nicht: 1634 wurde Kemnath kurzzeitig von den Truppen der evangelischen "Union" unter dem "protestantischen Wallenstein" Bernhard von Weimar eingenommen. Mehrere kleine Ortschaften - Anzenberg, Godas, Neusteinreuth, Schönreuth - wurden 1641 niedergebrannt, die Burg Waldeck wurde 1648 von schwedischen Truppen unter Hans Christoffer von Königsmarck auf deren Durchzug von Franken nach Böhmen belagert und eingenommen. In
dem zum Katholizismus
"zurückbekehrten" Kemnather Land blühte das katholische religiöse
Leben alsbald wieder auf.
Auf
Betreiben des Pfarrers Johann Christian Arckhauer erhält Kemnath einen
“Stadtheiligen”: Arckhauer erreicht die Überführung der Gebeine des
heiligen Primianus aus den Katakomben von Rom in die Pfarrkirche. Primianus
wird seither als Stadtpatron verehrt. 1695 erbauten die Kemnather ihm zu Ehren
die Primianussäule. Anfang des achtzehnten Jahrhunderts wurde Kemnath zum alljährlichen Schauplatz eines mit barocker Pracht aufgeführten
Passionsspieles. Das volksfestartige Treiben, das sich Jahr um Jahr in
der Karwoche um die "Passion Comedi" entfaltete, erweckte jedoch das Missfallen
der kurfürstlich baierischen Obrigkeit, die im Jahre 1770 per Erlass
das Passionsspiel verbot. Erst zwei Jahrhunderte später besann man
sich erneut auf diese Episode der Kemnather Stadt- und Kirchengeschichte,
und seit den Feierlichkeiten zum 975. Jahrestag der mutmaßlichen erstmaligen urkundlichen
Erwähnung unserer Stadt im Jahre 1983 sind die alle fünf Jahre
stattfindenden Aufführungen der Kemnather Passion
wieder ein fester Bestandteil unseres religiösen und kulturellen Lebens. In
Waldeck wurde 1727 eine "Erzbruderschaft 'Maria vom Trost'"
gegründet, und bis heute hat das Gnadenbild "Maria vom Trost" in
der Waldecker Johannes-von-Nepomuk-Pfarrkirche einen Ehrenplatz.
Das
1658 zur Unterstützung der katholischen Seelsorge
1689 wurde Fortschau bei Kemnath zu einem Zentrum des baierischen Büchsenmacherhandwerks, als dort die erste Handfeuerwaffenmanufaktur des Kurfürstentums ihre Arbeit aufnahm (bis 1801). Gewehre und Pistolen aus Fortschau (und noch einiges mehr) können in der "wehrkundlichen Sammlung" des Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums bewundert werden. 1698 verlegten die
Waldecker Landrichter - angeblich nach einem Brand, der das Landrichterhaus
verwüstet haben soll - ihren Amtssitz nach Kemnath. Da die Landrichter
damals - und noch bis 1862 - nicht nur die obersten Rechtswahrer, sondern
überhaupt die Häupter der Verwaltung im Landgerichtssprengel
waren (nach heutigem Sprachgebrauch also Amtsrichter und Landrat zugleich),
begann zu jener Zeit Kemnaths Geschichte als "Kreisstadt" und Gerichtssitz.
Die Existenz eines Kastenamtes ("Finanzamtes") in unserer Stadt ist schon
seit dem fünfzehnten Jahrhundert belegt. 1862 wurden allgemeine Verwaltung
und Justiz getrennt; fortan bestand neben dem Landgericht (ab 1879: Amtsgericht)
Kemnath das Bezirksamt (ab 1939: Landratsamt bzw. Landkreis). Dieses musste
1931 die Abtrennung des steinwäldischen Gebietes um
Die Burg Waldeck vor ihrer Zerstörung 1705.
Zu Beginn des achtzehnten
Jahrhunderts wurde unser Gebiet vom In der Nacht zum 25. März 1794 wurde auch die Ortschaft Waldeck durch eine Feuersbrunst, die von einem Blitzeinschlag ausgelöst worden war, so weit zerstört, dass man sich veranlasst sah, sie an anderer Stelle, nämlich nördlich des Schlossberges (der alte Ort hatte südlich des Berges gelegen) völlig neu aufzubauen. Die Ruinen von Alt-Waldeck wurden abgebrochen, die Steine so weit als möglich für die Häuser des neuen Ortes wiederverwendet, die bereits 1730 errichtete Sankt-Johannes-von-Nepomuk-Kapelle zur neuen Pfarrkirche ausgebaut. 1802 wurde Guttenberg, 1819 Schönreuth, 1841 Zwergau durch Großbrände verwüstet. In der Nacht zum 14. Januar 1848 krähte der "rote Hahn" in Kemnath; diesem auf Brandstiftung zurückzuführenden Feuer fielen zwei Drittel der Altstadt zum Opfer. Das sechs Kilometer
südlich Kemnaths gelegene Kastl wurde am 26. August 1796 Schauplatz
einer Schlacht, in der Bürger und Bauern aus dem Kemnather Land unter
der Führung des Landrichters Max von Gravenreuth 400 marodierende
französische Soldaten in die Flucht schlugen, die im Zuge des französisch-österreichischen
Krieges auch die Oberpfalz durchquerten. 23 Franzosen und 16 Landwehrmänner
verloren dabei ihr Leben.
Kemnath
um 1840.
Die 1863 eröffnete Eisenbahnstrecke Bayreuth-Weiden war, trotz aller Bemühungen der Stadt, weitab von Kemnath verlegt worden. Vier Kilometer südwestlich unserer Stadt, etwa auf halbem Wege von Kemnath nach Neustadt am Kulm, befindet sich bis heute der Bahnhof "Kemnath-Neustadt". Versuche Kemnaths, aus dem "bahnverkehrstechnischen Abseits" herauszukommen, dauerten bis in die 1930er Jahre an, blieben aber fruchtlos. Angesichts der wachsenden Bedeutung des Straßenverkehrs nach dem Zweiten Weltkrieg war dies letztlich jedoch zu verschmerzen. Nachdem seit den siebziger Jahren die beiden Hauptverkehrsadern Amberg-Grafenwöhr-Pressath-Marktredwitz (Bundesstraße 299, Staatsstraße 2665) und Bayreuth-Weiden (Bundesstraße 22), an deren Kreuzungspunkt Kemnath liegt, Zug um Zug ausgebaut wurden, kann die Lage unserer Stadt im Verkehrsnetz heute als recht günstig bezeichnet werden. Den Zweiten Weltkrieg
überstand Kemnath ohne größere Schäden; im Gegensatz
zu dem Nachbarstädtchen Neustadt am Kulm, das am Morgen des 19. April
1945, nur wenige Stunden vor dem Einmarsch der US-Armee, in Schutt und
Asche bombardiert wurde, weil man dort irrigerweise ein Widerstandsnest
deutscher Truppen vermutet hatte. Wie durch ein Wunder kamen "nur" drei
Einwohner dabei zu Tode. Elf Menschen verloren am Abend desselben Tages
ihr Leben, als US-amerikanische Jagdbomber zwei im Bahnhof Kemnath-Neustadt
haltende Personenzüge angriffen. Am Vormittag des 20. April 1945 -
des 56. Geburtstages Hitlers - wurde dann auch die Stadt Kemnath kampflos
von Einheiten der 26th Infantry Division der US-Streitkräfte eingenommen.
Nach dem Kriege kamen Flüchtlinge und Vertriebene - hauptsächlich
Das
Kriegerdenkmal in der Bürgermeister-Metschnabl-Anlage
Nicht zuletzt dem Zustrom der "Neubürger" aus dem Osten ist es zu verdanken, dass unsere einst als "Notstandsgebiet" und "Armenhaus" verrufene Region seit den fünfziger Jahren ihren Weg "von der 'Steinpfalz' zur 'Aufsteigerregion'" (Regierungspräsident Dr. Wilhelm Weidinger) zurückgelegt hat. Einerseits schufen sich viele Vertriebene eine Existenz in Gestalt neuer Gewerbebetriebe, andererseits wurden die "Zugereisten" aus dem Osten (nach Überwindung der Not und Armut der ersten Nachkriegsjahre) natürlich auch für die alteingesessenen Gewerbetreibenden als Kunden und Konsumenten interessant, wodurch zum Nutzen aller (Alt- wie Neu-Kemnather) bestehende Betriebe vergrößert und neue geschaffen wurden. Seit den fünfziger
Jahren bemühte sich die Stadt darum, durch Ausweisung von Gewerbegebieten
als Industriestandort attraktiv zu werden. Dabei profitierte Kemnath, das
in das "Zonenrandgebiet" längs der weitgehend abgeschotteten Grenzen
zu den damaligen sozialistischen "Ostblock"-Nachbarstaaten DDR und Tschechoslowakei
einbezogen worden war, auch von Grenzlandförderungsmaßnahmen.
Der Erfolg blieb nicht aus: 1962 ging die Firma Ein zweiter Großbetrieb
hat seine Wurzeln in Kemnath selbst: Die bereits 1692 gegründete
Röntgengerät
von Siemens Medizintechnik Kemnath
Die Bernhard Piegsa Zwei
große Söhne unserer Gegend:
* Prominente Kemnather ...
* Die Arbeitsgruppe
"Archiv" des HAK hat eine historische Wegleitung durch unsere Stadt
erarbeitet. Das reich bebilderte 48-seitige Heft "Stadtführer Kemnath
- Auf historischen Wegen durch eine moderne Stadt" kann in der * Weitere Literaturhinweise zur Kemnather Stadtgeschichte:
"Die
stat Kemat" auf der Landkarte Michael Ostendorfers
©
Heimatkundlicher Arbeits- und Förderkreis Kemnath und Umgebung e.
V. 2007.
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